DLD17 Highlights

„What scares you today is tomorrow’s commodity“

Schon das Motto „What’s the plan?“ deutete an, dass auf der DLD17 Conference nicht nur ungefilterte Technikbegeisterung bezüglich der neuesten Trends zu finden sein würde. Viele Teilnehmer stellten den konkreten Nutzen für Konsumenten in den Mittelpunkt und betonten die Verantwortungen, die digitale Entwicklungen mit sich bringen. Schwerpunkte der Konferenz waren die Themen „künstliche Intelligenz“ und „autonomes Fahren“.

It’s all about the #team #stefficzerny and #dominikwichmann are welcoming back #DLD17

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Zur Begrüßung betonte DLD-Co-Geschäftsführer Dominik Wichmann: „Technologie ist für Menschen da – und nicht andersherum.“ Ein Statement, das sich durch die gesamten drei Kongresstage zieht.

DLD-Gründerin Steffi Czerny Czerny hob in ihrer Eröffnungsrede außerdem die Bedeutung der bayerischen Landeshauptstadt München als Digital-Standort hervor. Es gebe viele „supercoole“ Technologie-Unternehmen.

„We need to help our people get skilled for the jobs of the future“

Satya Nadella © Picture Alliance for DLD

Gleich mehrere Panels befassten sich mit den Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Microsoft CEO Satya Nadella etwa forderte, dass künstliche Intelligenz demokratisiert werden müsse. Sie solle allen Menschen zugänglich sein, nicht nur bestimmten Bereichen.

 

Jürgen Schmidhuber, Kodirektor des Schweizer Forschungsinstituts für künstliche Intelligenz IDSIA, geht davon aus, dass AI intelligenter wird, als Menschen es sind – und zwar bereits in einigen Jahrzehnten. Umso wichtiger sei es, künstliche Intelligenz zu nutzen, um die menschliche Arbeitskraft zu unterstützen.

 

Dazu ist es notwendig, den Menschen umfassendes digitales Wissen zu vermitteln. Denn die Digitalisierung führt nicht zwingend zum Abbau, auf jeden Fall aber zu einer Veränderung von Arbeitsfeldern.

Als Beispiel aus der Bildung nannte Rose Luckin vom University College London Assistenzsysteme für Lehrer, die personelle Defizite ausgleichen können. Entscheidend sei eine sich ergänzende Mischung aus künstlicher Intelligenz und Lehrenden.

Bereits die aktuell verfügbaren sprachbasierten Assistenten wie Amazon Echo oder Google Home bieten die technischen Voraussetzungen. Worauf es für eine funktionierende Kombination aus AI und menschlicher Arbeitskraft nun ankommt? Menschen müssen im Umgang mit neuen Technologien geschult werden.

Wie wichtig es ist, technische Umbrüche den Menschen näherzubringen und durch Aufklärung, Bildung und Ausbildung Ängste abzubauen, betonten die Speaker mehrerer Panels.

Timotheus Höttges, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom warnt: „Viele Menschen fürchten die Veränderungen.“ Dem könne durch ständige Weiterbildung vorgebeugt werden; Ebenso der Gefahr, dass die Gesellschaft den Anschluss an rasante technische Entwicklungen verliere.

Was das Stichwort Datensicherheit angeht, sieht es ganz ähnlich aus: Für Willem Jonker von EIT Digital ist eine datensichere Zukunft gegeben, wenn alle Generationen der Gesellschaft geschult werden.

 

„Die Autoindustrie wird sich stärker verändern als in den vergangenen 30 Jahren“

Sicherheit war auch ein Thema des Kongress-Schwerpunktes „autonomes Fahren“. Das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Während Googles self-driving cars bereits durch Silicon Valley düsen, plant BMW 2017 die erste Testflotte selbstfahrender Autos in München.
Aber: Ist autonomes Fahren wirklich sicher?

Klaus Fröhlich (BMW Group), Brian Krzanich (Intel), Matt Miller (Bloomberg TV) und Amnon Shashua (Mobileye) sprechen über autonomes Fahren © Picture Alliance for DLD

Peter Schwarzenbauer von BMW weiß, dass man Autofahrer daran gewöhnen muss, die Kontrolle abzugeben. Dies, verrät er, werde zunächst durch Assistenzsysteme geschehen, die beispielsweise das Parken übernehmen.

Peter Schwarzenbauer (BMW) geht davon aus, dass schon in zehn bis 15 Jahren viele Autos in Deutschland autonom fahren. Erste Schritte erfolgen auf der Autobahn, da dort die Störfaktoren geringer sind.

Auch Lior Ron von Uber sieht den Start in die Zukunft des autonomen Fahrens auf der Autobahn: Dort geschehe weniger Unvorhergesehenes. Der Transport mit Lastwagen biete sich deshalb an.

Die Strecken zur und von der Autobahn werden zunächst weiterhin menschliche Fahrer übernehmen. Warum es im Straßenverkehr noch länger dauern wird, bis tatsächlich autonom gefahren wird, weiß Schwarzenbauer: Im Gegensatz zu Systemen halten sich Radfahrer oder Fußgänger nicht immer an die Verkehrsregeln.

BMW-Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich auf jeden Fall ist sich sicher: „In den kommenden Jahren wird sich die Autoindustrie stärker verändern als in den vergangenen 30 Jahren.“

Fliegende Autos und unbemannte Flugzeuge

Nicht nur Autos, sondern auch Flugzeuge werden autonom. Tom Enders, CEO von Airbus und Bertrand Piccard von Solar Impulse diskutierten darüber, wie der Luftverkehr der Zukunft aussehen könne. Für Enders steht fest: „Autonomes Fliegen ist einfacher als autonomes Fahren“ – und günstiger.

To print or not to print

Fast schon Dauerbrenner auf Digitalkonferenzen, deshalb aber nicht weniger aktuell, ist die Frage um die Zukunft von Medienhäusern im Zuge der Digitalisierung. Welche Rolle spielt neue Technologie für Medienhäuser? Wie viel Aufmerksamkeit muss den Sozialen Medien gewidmet werden? Und wie muss man mit Fakenews umgehen?

Darüber diskutierten unter anderem Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende bei Axel-Springer, und Paul-Bernhard Kallen, der Vorstandsvorsitzende bei Hubert Burda Media.

Für Paul-Bernhard Kallen steht fest: „Wenn ein Medienhaus immer noch nur auf Papier publiziert, wird es bald nicht mehr publizieren.“ Der Umgang mit neuer Technologie gehöre heutzutage zwingend zu einem zeitgemäßen Medienunternehmen.

Haupterfolgsfaktor seien aber weiterhin gute Inhalte, auch wenn sie nicht mehr auf Papier gedruckt werden. Unverzichtbar außerdem: Eine enge Bindung zum Konsumenten.

Hierzu präsentiert die Journalistenschule von Burda auf der Konferenz ein zukunftsweisendes Gimmik:

Auch Facebook, so Kallen, müsse inzwischen als Medienunternehmen gesehen werden, das Verantwortung für seine Inhalte übernehmen muss.

Dem widerspricht Döpfner: Facebook sei kein Medienunternehmen. Die Inhalte werden von Dritten erstellt; Facebook müsse nur bei illegalen Inhalten auf Löschanfragen reagieren. Der Status sei am ehesten mit einem Presse-Grossisten vergleichbar.

Eine Möglichkeit für den Umgang mit Fake News zeigte Dan Rose, Vice President of Partnerships and Platform Marketing bei Facebook. Facebook habe schon immer eng mit Publishern zusammengearbeitet und wolle durch künftige Kooperation mit Partnern Fake-News leichter als solche zu identifizieren. Das „Facebook Journalism Project“ soll sowohl Weiterbildungsmöglichkeiten für Journalisten als auch Medienkompetenz-Schulungen unterstützen.

Blickt man auf die vergangenen Tage der DLD17 Conference zurück, lassen sich ein paar Thesen festhalten: Offenheit für neue Technik ist wichtig, jedoch darf bei aller Begeisterung der Mensch nicht vergessen werden.
Maßgeblich sind Reformen im Bildungs- und Ausbildungsbereich, der Schutz von Rechten, Freiheiten und der Privatsphäre des Einzelnen und ein Fokus darauf, dass neue Technologien wie autonomes Fahren oder künstliche Intelligenz unterstützen, nicht ersetzen.

Oder, wie Kardinal Marx es ausdrückte: „Maschinen verändern das Leben der Menschen, die sich anpassen müssen. Aber warum sorgen wir nicht dafür, dass sich die Maschinen an das Leben der Menschen anpassen?“

Alle Highlights der DLD17 Conference gibt es hier.

Die DLD17 Conference ist zu Ende. Das Team wird auf die Bühne geholt. © Picture Alliance for DLD